Ich mache meine Lehre in der Langzeitpflege. Der Umgang mit alten Menschen bereitet mir Freude, und ich glaube auch, dass ich ihnen viel Freude bereiten kann. Die Umstände an meinem Arbeitsplatz machen es mir aber regelmässig schwierig, mich wirklich auf die Bewohner*innen einzulassen. Das liegt an einem Zeitmangel – die Zeit, die wir pro Bewohner*in einsetzen können, ist beschränkt. Ausserdem habe ich schon als Lernende oft geteilten Dienst, arbeite also bis spät am Abend, und werde auch an Wochenenden oft eingeteilt. Deshalb bleibt mir neben der Arbeit oft nicht mehr viel Zeit. Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, bin ich oft sehr müde und habe nicht mehr wirklich die Energie, etwas anderes zu machen, als mich in mein Bett zu legen.

Diese Umstände sind in Zeiten Coronas natürlich nicht besser geworden. Wir als Pflegende werden klar dazu aufgefordert, jeglichen Kontakt zu meiden, ausserhalb der Arbeit zu Hause zu bleiben. Am Arbeitsplatz haben wir viel mehr zu tun als normalerweise, schlüpfen teils sogar in neue Berufe (beispielsweise übernehmen wir auch die Fusspflege, das Haare schneiden etc., was sonst alles von anderen übernommen wird). Die Stimmung ist allerseits sehr gereizt und genervt: Wir Pflegenden arbeiten sehr nahe aufeinander, haben alle Hände voll zu tun, tragen Mundschutz, der uns zum schwitzen bringt und das Atmen schwieriger macht. Die Bewohner*innen ihrerseits sind wegen ihrer Ausgangssperre und dem Besuchsverbot sehr mufflig und teils angriffig.

Wir Lernende haben jetzt natürlich auch keine Schule mehr und arbeiten deshalb noch mehr. Ich bekomme dafür jedoch nicht mehr Lohn als normalerweise, das heisst faktisch verdiene ich noch weniger als normalerweise.